Pro Jahr erkranken 7 % der Bevölkerung Deutschlands, also knapp 6 Millionen Menschen, an einem allergischen Kontaktekzem. Die Zahl der Menschen mit einer Sensibilisierung gegen eines der häufigen Allergene der Standardreihe beträgt mindestens 12 Millionen; epidemiologischen Studien aus Dänemark zufolge könnten es in Deutschland sogar 16 Millionen Betroffene sein. Damit ist das allergische Kontaktekzem eine Volkskrankheit, bei weitem häufiger als z.B. die Schuppenflechte (Psoriasis) oder das atopische Ekzem (Neurodermitis).

Jahr für Jahr werden den gewerblichen Berufsgenossenschaften mehr als 20.000 Fälle mit Verdacht auf eine beruflich bedingte Hautkrankheit gemeldet. Ein großer Teil davon (wahrscheinlich über 50 %) ist auf Kontaktallergien zurückzuführen. Unbestreitbar ist dies aber nur die Spitze eines Eisbergs, da längst nicht alle Fälle erfasst werden. Nach unseren eigenen Schätzungen wäre von jährlich mehr als 200.000 Fällen auszugehen, bei denen der Verdacht auf eine berufsbedingte Hautkrankheit besteht.

Der Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) wurde 1989 mit den Allergieabteilungen von 8 dermatologischen Kliniken und der Zentrale in Göttingen gegründet. Mittlerweile zählt der IVDK die Allergieabteilungen von über 56 Hautkliniken zu seinen Partnern. Dazu gehören auch Kliniken aus Österreich (Graz) und Kliniken aus der Schweiz (Basel, Zürich, Aarau und Bern). Sie alle bilden ein Netzwerk, das weltweit einzigartig ist. Die Beteiligten melden jährlich Daten von knapp 10.000 Patienten an die IVDK-Zentrale in Göttingen. Mit inzwischen über 250.000 erfassten Patienten verfügt der IVDK über die bei weitem größte Datenbank der Welt zur Kontaktallergie.

Das Ziel des IVDK ist die Prävention (Vorbeugung), weil eine ursächliche Therapie (wie z.B. die Hyposensibilisierung beim Heuschnupfen) für die Kontaktallergie nicht verfügbar ist. Prävention kann zweierlei bedeuten: Meidung eines allergenen Stoffes, bevor er zur Sensibilisierung führt (primäre Prävention), oder nachdem er dazu geführt hat (sekundäre Prävention). Da es aber unmöglich ist, sämtliche allergene Stoffe auszuschalten, müssen sich die Anstrengungen auf solche konzentrieren, die zum Problem geworden sind. Hier zeigt sich nun die Stärke des IVDK: Durch die Größe des Verbundes können Probleme schnell identifiziert werden. Weitere Informationen unter

https://ivdk.org/ivdk_forschung.pdf 

https://ivdk.org/ivdk_public_health.pdf

Als Beispiel seien die mit (Chlor)-Methylisothiazolinon (MCI/MI) konservierten Farben genannt: Mit der Kontaktstoffkategorie wird in den Allergieabteilungen die mögliche Ursache des Ekzems erfasst, z.B. eben Farben. Die derart gekennzeichneten Patienten wiesen so hohe Quoten von MCI/MI-Allergien auf, dass wir das Umweltbundesamt (UBA) warnten. Die daraufhin untersuchten Farben wiesen viel zu hohe Konzentrationen dieses Konservierungsstoffes auf, so dass das UBA die Hersteller zu einer wesentlichen Minderung der Konzentration von MCI/MI in Farben bewegte. Im darauf folgenden Zeitraum ging dann in den Kliniken des IVDK die Quote an MCI/MI-Allergien bei den Farben-Patienten signifikant zurück. Damit ist der Erfolg der Prävention belegt. Es ist allemal besser, durch Minderung der Konzentration oder Verbot eines Allergens die Sensibilisierung zu verhüten, als einem Allergiker das mühselige Meiden aller möglichen Produkte zuzumuten oder das Tragen von Handschuhen zu empfehlen.